Wollen wir denn “Kommunismus”? (11)
Beim Geschirrspüler stand ich vor dem nächsten Problem. Es gibt schlicht Tätigkeiten, die DOOF, schwer oder in anderer Weise abstoßend sind. Viele sind aber dabei, die durch Technik ersetzbar sind. Eine Arbeit muss für bestimmte Menschen(gruppen) „das gewisse Etwas“ haben, den Reiz, der sie zum Stolz verführt, dass sie genau diese Arbeit ausführen. Das kann das Kreative dabei sein oder das künstlerische Element, aber auch die Schwere oder Kompliziertheit in anderer Art. Das Wissen, „das kann nicht jeder“. Zumindest nicht so.
Das ist keine Generallösung. Aber es trifft für eine erhebliche Zahl an Aufgaben zu und es gehört zu den Merkmalen des „Kommunismus“, dass es ABSOLUT keine allgemeinverbindlich geltenden (Zwangs)Regelungen geben wird.
Juristische Ächtungen werden durch rein moralische Missbilligungen ersetzt. Wer sich absolut jeder Tätigkeit fürs Gemeinwohl zu entziehen versucht, wird dadurch am stärksten „gestraft“, dass er einfach „schief angesehen“ wird. Solche Menschen riskieren einfach einen schlechten Ruf“.
Dies setzt allerdings zweierlei voraus: Zum einen ist es für eine Mehrheit der Gesamtbevölkerung der Erde selbstverständlich, sich arbeitend zu bestätigen. (Insofern hätte sich in gewisser Weise nichts verändert.) Zum anderen ist die Gemeinschaft aller Menschen nicht darauf angewiesen, dass unbedingt jeder in gesellschaftlichem Rahmen arbeitet. Anders ausgedrückt: Die zur Reproduktion der gesamten Gesellschaft erforderliche Gesamtarbeit ist so relativ klein, dass es die Arbeitenden schon stören würde, wenn sie noch weniger zu arbeiten hätten.
21. November 2010 um 20:19
Mit den Darlegungen bin ich ja generell einverstanden – wenn wir eine kommunistische Gesellschaft haben! Bis dahin ist es aber noch ein sehr weiter Weg – vor allem gekennzeichnet durch die Umerziehung der durch die kapitalistische Etik und Moral vollkommen desorientierten Menschen. Diese Bildungsfratzen teilen den Menschen jeden Tag mit, der Mensch sei ein Egoist, das sei angeboren und genetisch bedingt. Natürlich sind viele Menschen in der Zwischenzeit pure Egoisten, dazu erzogen worden – aber keinesfalls angeboren. Mit angeborenenem Egoismus wäre der Mensch lange innerhalb der Evolution untergegangen – er hätte die Auseinandersetzung mit der Natur verloren. Diese konnten die Horden nur überstehen, indem sie solidarisch miteinander umgegangen sind.
Aber – dieser einmal anerzogene Egoismus, geht nicht von allein und wird, so lange es noch kapitalistische Produktionsformen geben wird täglich wieder produziert und gelehrt. Darin besteht die ungeheure Herausforderung der Aktivisten zur Umgestaltuing der Gesellschaft, dazu müssen vor allem sie grenzenlose Vorbilder sein und bleiben.
25. November 2010 um 11:36
Lieber Günther, ich habe versucht, deinen Kommentar billigend zu “ignorieren” … aber ich kann nicht!
1. Ja, es geht mir um Denkanstöße für die Fantatasie heutiger (meinetwegen “verzogener” Menschen), sich vorzustellen, wie “Kommunismus” wirklich sein muss. Die Verzerrungen im ideologischen Klassenkampf waren ja so “erfolgreich”, dass du kaum einen Menschen finden wirst, der nicht diese Form des Gemeinschaftslebens ablehnte … ohne sie überhaupt zu kennen bzw. indem er sie mit negativen Begleiterscheinungen der zuvor notwendigen Revolution gleichsetzt. Wir müssen wieder bis zu dem Punkt kommen, wo auch der “Durchschnittsbürger” zumindest ahnt, dass “Kommunismus” das ist, was er eigentlich will. DANN lässt sich auch leichter über den Weg zum großen Ziel reden …
2. Was mich an deinem Kommentar am meisten stört, ist das Wort “Umerziehung”. Ich hoffe ja, du meinst es anders … aber es atmet nunmal die Abluft von Maoismus und Stalinismus.
Der Ausdruck korrespondiert mit dem “anerzogenen Egoismus”.
Primär ist “Egoismus” eine Ausdrucksform des tierischen Selbsterhaltungsinstinkts. Ein solidarisches, auf die Einheit von gemeinschaftlichen Interessen mit den eigenen, auf die Möglichkeit, eigenes Überleben über die Gemeinschaft zu erreichen gerichtetes Handeln ist es auch – aber auf der Basis eines höheren Verstandes. Und wir sollten den Urgesellschaftsgeist nicht glorifizieren: Er war nicht höher entwickelt als der der Brüller “Deutsche zuerst!” – Die “Solidarität” beschränkte sich auf die eigene Gruppe.
Ich nehme an, dass du mit “anerzogenem Egoismus” jene scheinbare “Entideologisierung” meinst, von der Droste meint, es sei ein Apparat, uns auf das Niveau von Sechsjährigen herabzudrücken.
Was immer wir tun, um unsere Zukunft als Menschen zu bewahren: Die “Umerziehung” ist nur ein Nebenprozess kultureller Natur, der auf der weltweiten Beseitigung von solchen Eigentumsverhältnissen beruhen muss, unter denen “Egoismus” “vernünftig”, weil “überlebensnotwendig” ist.
3. Ich gebe zu, mir passiert es auch nicht selten, dass ich unangebracht verabsolutiere. Damit verstoße ich gegen den philosophischen Grundsatz von der Einheit und dem Kampf der Gesensätze, also gegen dialektisches Denken. Und unter diesem Gesichtspunkt möchte ich deiner Behauptung widersprechen, dass natürlich sind viele Menschen in der Zwischenzeit pure Egoisten …” M.E. sind sie das viel weniger als es den Anschein hat. Denn was heißt “pur”? Gerade die Ereignisse um “Stuttgart 21″ brechen doch eine Lanze für einen gewissen “gesunden Egoismus”. Da handelten doch keine reinen Menschenfreunde oder gar “revolutionären Kommunisten”, sondern Menschen, die schlicht eine Verschleuderung ihres Steuergeldes und eine Missachtung ihres Denkens als Angehörige einer Gemeinschaft durch “ihre” gewählten “Vertreter” wahrnahmen.
4. “grenzenlose Vorbilder” brauchen wir – und sei es nur des Vertrauens wegen, das wir zur Ablösung des Lobbyismus brauchen. Aber es reicht der “neue (Ausnahme)Mensch” nicht aus. Wir müssen auch den “Egoisten” den Weg zu mehr gesellschaftlicher Vernunft ebenen.
25. November 2010 um 13:05
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