Wollen wir denn “Kommunismus”? (9)
Es ist auch nicht einfach: Viele Beziehungen müssen ganz anders als gewohnt gedacht werden.
Setzen wir einige Stützbalken und Zwischenwände:
Erster Schritt: Denken wir alles Militärische von der gesamten Welt weg. Dies schafft zwei Optionen. Die eine: Das für die Zerstörungsmittel vergebene Potential an Menschen, Wissen und Material wird auf die Produktion von Gütern umgelenkt, die konkrete Bedürfnisse von konkreten Menschen befriedigen – von Hunger bis Handy. Die zweite wäre, die Masse an industriellem Produktionspotential insgesamt abzusenken. Also wenn wir uns vorstellen, durchschnittlich arbeitete jeder Arbeitsfähige jetzt weltweit entfremdet acht Stunden täglich (ich rechne hier Soldaten den „Arbeitenden“ zu – der Statistik wegen), so sinkt dann das entfremdete Arbeitspotential um etwa ¼ , also auf sechs Stunden.
Anders gesagt: Gehen wir davon aus, dass alle Menschen auf der Erde eine bestimmte „Menge Bedürfnisse“ haben. Nehmen wir die (des Modells wegen) als konstant an. (Natürlich steigt sie beständig – dem steht aber auch eine insgesamt höhere Produktivität gegenüber) Dann ist logisch, dass eine bestimmte, dem jeweiligen Niveau der „Produktion“ geschuldete Zeit nötig wäre, diese Bedürfnisse zu befriedigen.(Im Moment steht noch die zusätzliche Schranke, dass nicht jedes Bedürfnis bezahlt werden kann, also manche Menschen verhungern „müssen“.)
Wenn wir das im Laufe der Jahrtausende entstandene Geflecht von „Notwendigkeiten (der Klassenordnungen) entflechten wollen, dann gehört dazu vernünftigerweise, jene Tätigkeiten zu entfernen, die in letzter Instanz keine „menschlichen Bedürfnisse“ befriedigen, sondern ausschließlich die Welt“ordnung“ zementieren.
Die zweite Gruppe, die im Wesentlichen verschwinden kann (nicht 100%ig) sind alle Tätigkeiten, die unmittelbar und mittelbar mit „Eigentumsdelikten“ zusammenhängen. Jenes Eigentum, das gesellschaftliche Verhältnisse schafft, also das an „Produktionsmitteln“ und deren Ergebnissen (also „Waren“) verschwindet ganz. Es bleibt nur ein privates Eigentum, was die jeweilige Persönlichkeit mit bestimmt. Dies wird die wachsende Rolle von Kunst bewirken. In dem Augenblick, in dem z. B. ein Auto eben nicht auch ein soziales Statussymbol ist, sondern jeder nur die Frage beantworten muss, wie er „am günstigsten“ von A nach B kommt, „Besitzer“ eines privaten Sportwagens vom „Mantafahrer-Image“ bedrängt werden … denn „leisten“ kann sich jeder jeden Wagen, also „leistet sich“ jeder – umso wahrscheinlicher eine besonders vernünftige“ Lösung. Das schließt allerdings das Vorhandensein vernünftiger Systeme ein, setzt sie sogar voraus.